Many thanks to Hanzík for the Czech translations!

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Der Orden der Spinne hatte unter Meisterin Suku, die keine Torheit ihrer Manager duldete, viele Äbte verloren.* Doch Soku reiste nun mit ihren Lehrlingen umher, und der Tempel hatte zu guter Letzt den neuesten Ersatz-Abt rekrutiert: Einen Außenstehenden aus dem Westen namens Ruh Cheen.

Ruh Cheen wurde persönlich von Madam Jinyu, Äbtissin über alle Orden und Anliegen, eingestellt. Da die junge Meisterin Zjing derzeit dem Spinnen-Orden zugeteilt war, schickte Jinyu nach ihr, den neuen Abt zu treffen.

Ruh Cheen verbeugte sich unbeholfen vor Zjing. “Ich freue mich darauf, Euch in unserer gemeinsamen Mission zu unterstützen,” sagte er fröhlich. “Ich sehe uns als zwei große hässliche Maulesel, die denselben Karren ziehen. Also werde ich das Möglichste tun, Euch nicht im Wege zu stehen, auf dass wir nicht übereinander stolpern, und mit der Schnauze im Schlamm landen.”

“Das freut mich zu hören,” sagte Zjing.

Madam Jinyu fügte hinzu, “Ruh Cheen ist nicht nur neu am Tempel, sondern auch neu in der Software-Entwicklung. In seiner bisherigen Position leitete er ein Team von Fisch-Entgrätern.”

“Das freut mich...weniger zu hören,” sagte Zjing.

“Für mich ist Java ein Heißgetränk und Tomcat etwas zum Streicheln,” sagte Ruh Cheen lächelnd. “Also werde ich auf Eure Lehren bauen, über was immer wir hier tun.”

“Das ist...Wow.” sagte Zjing, die auf einmal kein passendes Adjektiv mehr fand. “Wenn Ihr mich nun bitte entschuldigt, werde ich den Orden von dieser... Neuigkeit berichten.”

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Zjing berief eine private Konferenz unter den Mönchen ein. Deren Erstaunen wurde schnell zu Angst.

“Wie kann dieser Abt hoffen, zu managen, was er nicht einmal versteht?” fragte einer.

“Wie konnte die alte Jinyu ihn nur einstellen?” wollte ein andrer wissen.

“Sicher will sie uns für den Abgang der anderen Äbte strafen!” rief ein Dritter.

“Wenn wir nur einen von ihnen wieder hätten, uns vor diesem sicheren Desaster zu retten!” lamentierte ein Vierter.

Die Unruhe wuchs, bis Zjing die Mönche zur Ruhe rief.

“Madam Jinyu ist kein Narr,” sagte sie. “Und es liegt nicht in ihrem Interesse, uns ins Messer laufen zu lassen. Also ist sicher, dass ihre Wahl das Beste für den Tempel ist. Falls wir die Weisheit dahinter nicht erkennen, dann nur, weil unsere Augen noch nicht geöffnet sind. Lasset uns geduldig sein, und diesen seltsamen Abt unterstützen. Nach und nach werden wir alle erleuchtet sein.”

Als diese Worte ihre Lippen verließen, war Zjing selbst erleuchtet.

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An diesem Abend rief Madam Jinyu Zjing in ihr Büro

“Meine Spitzel erzählten mir von Euren beruhigenden Worten an den Spinnen-Orden,” sagte die alte Äbtissin.

“Es waren meine Worte, doch ich glaubte sie nicht,” gab Zjing mit gedämpfter Stimme zu. “Ich wollte nur Ordnung schaffen.”

“Das ist Euch gelungen,” sagte die Äbtissin. “Warum schaut die kleine Zjing dann so aufgewühlt drein?”

Zjing sprach: “Als ich zur Meisterin ernannt wurde, dachte ich zu mir selbst, Sprich die Wahrheit wie Du sie weißt, und Du wirst gute Dienste tun. Doch heute lernte ich, dass man, um gute Dienste zu tun, manchmal als Weisheit getarnte Lügen sprechen muss. Was aber ist dann Weisheit? Was Wahrheit?”

Jinyu aber sprach: “An einem Abend vor langer Zeit gab es einen schweren Sturm, und mein Erstgeborener rannte ängstlich zu mir. Ich erzählte ihm, dass die Himmelsgeister Albträume im Regen jagen; dass jeder Blitzschlag ein Speer sei, der aus den Wolken geschleudert würde, und jeder Donnerhall der Todesschrei eines Dämons. Danach schliefen wir beide gut. Meine Unwahrheit ist leicht zu erkennen, doch eine größere Wahrheit versteckt sich in ihrem Schatten.”

Qi’s Kommentar

Ich würde gern zugeben, dass alles, was ich in diesem Buch geschrieben habe, gelogen ist, doch das geht nicht, weil es nicht einmal ein Buch gibt.

Qi’s poem

Mugen fragt Eku, Bin ich alt und gebeugt?
Und Eku: und ich faltig und grau?
Wo die Antworten lügen, wird Wahrheit zerstreut—
Doch die Meister versteh’n sich genau.

* Siehe Kōan 61, 62, 67, 120, und 153.