Many thanks to Hanzík for the Czech translations!

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Meister Banzen wurde von seinem Lehrling Djishin aufgesucht, der sagte: “Der Tempel braucht eine REST-Bibliothek mit JSON-Unterstützung. Ich habe mehrere Dritt-Implementierungen gefunden, doch ich weiß nicht, welche ich wählen soll.”

Banzen schien überrascht. “Hattet Ihr nicht solch eine Bibliotheck selbst geschrieben, und sie dem Orden der Spinne zur Verfügung gestellt?

“Ja,” sagte Djisjin, “doch nun ist sie mir ein Klotz am Bein. Jede Wooche fordert der Orden irgend ein neues Feature oder meldet einen Bug, der dringlichst zu behandeln sei. Und wann immer irgendwas mit unserem Web-Service schief geht, werde ich gerufen, um zu prüfen, ob mein Code der Schuldige ist! Es ist die gleiche Geschichte wie mit allen Bibliotheken, die ich dem Tempel zur Verfügung gestellt habe. Oh soll ich doch zehntausend Jahre leben, ohne je eine weitere zu schreiben!”

An diesem Nachmittag ging Banzen zur Äbtissin Jinyu, und sprach:

“Ich habe Jahre damit vergeudet, Djishins Verlangen zu stoppen, seine eigenen Frameworks zu schreiben, anstatt wohlbekannte zu verwenden.* Immer wieder zeigte ich ihm, dass seine Lösungen zu ambitioniert, zu unflexibel oder zu unsicher waren. Doch am Ende war er nicht von meinen Lehren überzeugt, sondern von der Last der Verantwortung! Hätte ich ihn seinen ersten bedauernswerten Code dem Tempel übergeben lassen, ich hätte mir ein Leben voll Ärger erspart!”

“Der produktive Entwickler wird scheinbar die Arbeit genießen, doch das ist nicht immer wirklich der Fall.” sagte Jinyu. “Jeder hat Aufgaben, die er gern erledigt, und solche, die er hasst. Djishin’s Fehler war, dass er zu faul war, nach Lösungen zu suchen, die außer Reichweite seiner Fingespitzen lagen. Euer Fehler war, dass Ihr nie seine äußere Geschäftigkeit durchschaut und seine innere Faulheit gesehen habt, die dafür ursächlich war. Zum Glück hat mich Djishin’s früherer Meister von diesem Mangel unterrichtet, als ich ihn aufnahm.”

Banzen stand der Mund offen. “Warum habt Ihr dies nicht vor Jahren erwähnt?”

Jinyu klopfte Banzen mit ihrem Stab auf den Kopf. “Warum stiegt Ihr nie die Stufen zu meinem Büro und fragtet mich um Rat? Verschont meine Ohren mit Djishin—er hat Euer Beispiel gut gelernt.”

* Siehe Kōan 78, 108, 109, 134, 167, 190.