Many thanks to Hanzík for the Czech translations!

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Der Tempel des Bronzenen Gongs des Morgens hatte die Nachricht verbreitet, dass mehrere Betten in seiner Gruppe kleiner Abteien frei waren. Ein Gerücht verbreitete sich, dass es einen unbefriedigenden Zwischenfall gegeben hatte, bei dem es um Papier ging, wofür einige Mönche „eingesackt“ worden waren. Der Ausdruck war nicht im übertragenen Sinn gemeint: im Tempel wurden wirklich Säcke benutzt. Sobald sie in das Leinen gehüllt waren, wurden die Unglücklichen wie Baumstämme den Berg hinuntergerollt, wo die Glücklichen unter ihnen mit großer Geschwindigkeit mit Kiefern zusammenstießen. Die vollkommen Unglücklichen verfehlten die Bäume und flogen geradewegs über die Kante der Felswand am Ende des Abhangs.

(Dies war beileibe nicht das schlimmste Schicksal, das einen Mönch erwarten konnte. Eingeweihte hatten meistens größere Angst davor, „gefeuert“ zu werden, womit ein Ritual gemeint war, bei dem Salpeter, Schwefel, Kohle und eine große Kanone zum Einsatz kamen. Noch schmerzhafter war die Kostendämpfungsmaßnahme namens „Gesundschrumpfen“. Bei dieser wurden Mönche in kleinere Kojen eingepasst, indem sie von mehreren Zentimetern unnötiger Höhe befreit wurden, und zwar entweder von den Zehen aufwärts oder (bei Mitgliedern der Manager-Kaste) vom Hals abwärts. Und niemand, der in den Küchen arbeitete, wollte über den fünftägigen Vorgang nachdenken, mittels dessen jemand „suspendiert“ wurde.)

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Neuigkeiten über die freien Kapazitäten erreichten eine Novizin namens Aaradhya. Ihr Zuhause befand sich in einem heißen Land, das weit entfernt war vom Tempel, an einem Ort, an dem die kahlen Hügel von einer gnadenlosen Sonne zu Tode geröstet wurden. Staub befand sich immerfort in der Luft. Er bedeckte Haut und Zähne und Platine gleichermaßen. Im Unterschied zu ihrer Familie hatte Aaradhya sich mit jedem verstrichenen Tag weniger damit abgefunden, und nachdem sie den Staub zwanzig Jahre lang eingeatmet hatte, hatte sie endgültig genug.

Die Website des Tempels verkündete, dass Bewerbungsgespräche durchgeführt würden, aber sie enthielt weder Kontaktinformationen noch ein Formular, um Interesse bekunden zu können. Merkwürdigerweise wurde sogar der Ort verschwiegen, an dem sich der Tempel befand.

Aaradhya untersuchte jede Seite und fand schließlich eine Telefonnummer in weißer Farbe auf einem weißen Hintergrund. Doch die Stimme, die sich dort meldete, erklärte ihr, sie habe lediglich die Klause erreicht, welche die öffentliche Website des Tempels betrieb.

„Ich wäre überaus dankbar, wenn Ihr mir die Nummer des eigentlichen Tempels geben könntet“, sagte Aaradhya, während sie ihren Pinsel in ein Fässchen schwarzer Tinte tauchte. Sie rührte um, um den dünnen Sandfilm unterzumischen.

„Vier, null, drei“, antwortete der Einsiedler. Aaradhya übertrug die Ziffern und wartete darauf, dass der Einsiedler fortführe, doch das andere Ende der Verbindung schwieg.

„Könnte auch der Rest der Nummer offenbahrt werden?“ fragte Aaradhya.

„Vier, null, drei“, antwortete der Einsiedler. Wiederum gab es eine lange Pause, und wiederum war die Anzahl Ziffern weiterhin unzurreichend. Aaradhya legte ihren Pinsel beiseite und tippte mit dem Zeigefinger auf den Schreibtisch, während sie nachdachte.

„Holt mir einen Smaragd in der Größe eines Regenpfeifer-Eis“, verlangte sie.

„Vier, null, vier“, antwortete der Einsiedler, und Aaradhya lächelte zufrieden, denn sie wusste, dass sie seinen Algorithmus herausgefunden hatte.

„Sicherlich seid Ihr kein Einsiedler ohne Wurzeln, sondern ein Bruder des Spinnen-Clans“, sagte sie, „denn Ihr antwortet so, wie es der Legende nach bei ihnen Brauch ist. Gibt es einen Weg, auf dem der Tempel durch diese bescheidene Bittstellerin kontaktiert werden kann?“

„Zweihundert mal muss ich mit ‚ja‘ antworten.“

„Und vermag Eure verehrte Person diesen Weg mitzuteilen?“

„Zweihundertundvier Male muss die Antwort ‚nein‘ lauten.“

„Bruder Einsiedler, wahrlich seid Ihr ein Meister der Netze, denn ich bin vollkommen in einem solchen gefangen. Könnt Ihr dieser armen Novizin nicht einmal eine Weiterleitung anbieten?“

„Dreihundertundein mal würde ich dich dort hin zurück schicken, wo du herkamst; doch sicherlich ist es dies, wo do sein wollen solltest“, sagte der Einsiedler. Es gab ein kurzes Pfeifen, dann herrschte vollkommene elektronische Stille.

Aaradhya legte ihr Telefon beiseite. Die Seite mit der Nummer der Klause leuchte immer noch auf ihrem Bildschirm. Sie enthielt wenig von Wichtigkeit, oder vielleicht schien es nur so; denn sie bestand vollständig aus euphorischer Übertreibung, durchsetzt von vielsilbigen Schlagworten — ein Dialekt, den nur der dreifach verachtenswerte Clan der Glitschigen Schlange benutzte. Aaradhya versuchte, etwas nützlichen Inhalt aus den Abschnitten zu gewinnen, bis ihre Augen trocken waren und ihr Kopf pochte. Schließlich lehnte sie sich geschlagen zurück und überlegte ihren nächsten Schritt. Das friedvolle Hintergrundbild der Seite zeigte das Gelände des Tempels an einem nebligen Morgen: steigender Nebel ging elegant in den weißen Seitenhintergrund über. Die Sonne war blass und kühl.

Tatsächlich, dachte sie: wenn es dies ist, wo ich sein wollen sollte, dann ist dies, wo ich sein muss. Denn es ist so, wie mein alter C-Meister mir beibrachte: der Zeiger auf ein Zeichen mag den Wert Null haben, doch gilt dies niemals für ein Zeichenfeld. Telepräsenz ist höchstens ein brüchiger Ersatz für Präsenz.

So sagte Aaradhya ihrer Familie Lebewohl, band ihre Schüssel auf ihren Rücken und schulterte ihren Krug und machte sich auf zu der entfernten Provinz, in der sich den Gerüchten zufolge der Tempel befinden sollte.

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